Urlaubsfotografie in Holland - zwischen Fotografie- und Familienzeit
- Christian Windeck
- vor 7 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Es gibt diesen einen Satz, den wohl jeder von uns Fotografen schon mal im Urlaub gehört hat: "Schatz, pack doch bitte mal die Kamera ein." Ich gebe zu, bei mir fiel er früher öfter. Inzwischen hat sich das zum Glück geändert.
Für unseren Oster-Trip nach Holland hatte ich einen Plan. Einen, der sich über die Jahre entwickelt hat und der weniger mit Technik und mehr mit einer einfachen Erkenntnis zu tun hat. In diesem Beitrag nehme ich euch mit auf diesen Trip – ein ehrlicher Erfahrungsbericht über die Ausrüstung, die Bilder und den Versuch, die eigene Leidenschaft mit der Familienzeit unter einen Hut zu bekommen.

Der ganze Trip als Video – inkl. POV-Sonnenaufgangswalk
Wer nicht nur lesen, sondern auch sehen will, für den gibt es die ganze Geschichte auch als Video. Hier nehme ich euch mit an die Orte, zeige euch alle Bilder und vor allem: Ich nehme euch mit auf einen POV-Photowalk zum Sonnenaufgang in Duurstede. Ein bisschen Nebel, eine alte Windmühle und fantastisches Licht.
Die Ausrüstung: Weniger schleppen, mehr fotografieren
Jede Reise beginnt mit dem gleichen "Pain": dem Packen der Kameratasche. Ich könnte es mir einfach machen und die modernen, kiloschweren Zooms einpacken. Mache ich aber nicht. Stattdessen kamen für diesen Trip diese Kameras zum Einsatz:
Nikon Zf: Meine Hauptkamera für die geplanten Fototouren.
Ricoh GR IIIx HDF: Die unschlagbare "Immer-dabei-Kamera" für die Jackentasche.
An der Nikon Zf habe ich ausschließlich alte, manuelle Objektive adaptiert:
Pentax 28mm f/2.8 SMC-A: Mein Arbeitstier für weite Szenen und Street.
Nikon 50mm f/1.8 Series E: Das winzige, unauffällige "Immerdrauf".
Nikon 105mm f/2.5 Ai-S: Für die Momente, in denen ich Details komprimieren will.
Ja, der Look ist anders. Nicht so steril, nicht so perfekt. Aber er hat Charakter. Seele. Und was noch wichtiger ist: Das ganze Setup ist leicht und macht wieder Spaß.
Ach ja, meine Nikon F3 Filmkamera hatte ich auch dabei. Und die Fotos - sollte etwas dabei sein - werde ich noch nachreichen.

Mein Taschen-System: Für jede Situation die richtige Größe
IUm dem "Schlepp-Trauma" endgültig zu entkommen, habe ich über die Jahre ein System aus drei Taschen entwickelt. Ja, es ist ein bisschen nerdy, aber es funktioniert für mich perfekt:
Der Rucksack (Wandrd Prvke 31L): Das ist das Mutterschiff. Hier kommt die gesamte Technik für den Transport zum Urlaubsort rein. Am Ziel angekommen, bleibt er aber konsequent in der Ferienwohnung. Mit dem laufe ich nicht durch die Stadt.
Die große Schultertasche (PGYTech OneGo Solo V2 10L): Das ist meine tägliche Fototasche. Hier passt die Zf mit angesetztem Objektiv, eine zweite Linse und der ganze Kleinkram wie Akkus und Filter rein. Perfekt für die dedizierten Fotowalks.
Die kleine Sling-Tasche (Gomatic Peter McKinnon Sling): Die kommt zum Einsatz, wenn es noch kleiner sein soll. Wenn ich zum Beispiel nur die Ricoh GR IIIx HDF mitnehme, vielleicht zum Abendessen oder für einen schnellen Gang zum Bäcker. Sie ist super unauffällig und stört niemanden.
Meine Zeit: Sonnenaufgang in Duurstede
Das ist der Stoff, aus dem meine persönlichen Lieblingsbilder entstehen. Dafür stehle ich mir die Stunden, in denen mich keiner vermisst – die ganz frühen Morgenstunden. Ein Highlight war der Sonnenaufgang in Duurstede, einem kleinen Städtchen am Rhein, das ich mir auf Google Maps ausgeguckt hatte. Der frühe Wecker hat sich gelohnt. Der Nebel, das erste goldene Licht – hier konnte ich in Ruhe mit dem 105er Details einfangen oder mit dem 28er die weite Landschaft wirken lassen. Das sind die Bilder für mein erstes "Fotobuch im Kopf".

Unsere Zeit: Volendam & Zandvoort
Der Rest des Tages gehört der Familie. Und auch hier ist die Kamera dabei, aber anders. Unauffälliger. In der kleinen Sling-Tasche stört die Ricoh niemanden. Ob beim Kibbeling-Essen an der Promenade von Volendam oder beim überraschenden Sommerfeeling am Strand von Zandvoort. Hier geht es nicht um die perfekte Komposition, sondern darum, die Momente authentisch festzuhalten. Das sind die Bilder für das zweite "Fotobuch im Kopf": das Familienalbum - auch wenn ich hier die Fotos zeige, die meine Familie nicht zeigen. Ihr könnt es Euch ausmalen.

Der unerwartete Bonus: Das Freilichtmuseum in Arnheim
Manchmal ergeben sich die besten Gelegenheiten völlig unerwartet. Das "Nederlandse Openluchtmuseum" war so ein Fall. Ein richtig cool gemachtes Freilichtmuseum, in dem nicht nur wir als Familie eine gute Zeit hatten, sondern in dem ich auch fotografisch voll auf meine Kosten kam. Ein perfektes Beispiel dafür, wie sich beide "Fotobücher" an einem Ort füllen können.

Zwei Fotobücher im Kopf: Die richtige Balance finden
Dieses Denken in zwei verschiedenen "Fotobüchern" hat für mich vieles klarer und auch einfacher gemacht. Es gibt nicht mehr den einen Anspruch, dem jedes Bild gerecht werden muss. Es gibt die Bilder für mich, meine Fotografieleidenschaft, meinen kreativen Ausdruck. Und es gibt die Bilder für uns, für die gemeinsamen Erinnerungen - also die, die langfristig viel, viel "wertvoller" für mich bzw. uns sein werden.

Beides hat seine Berechtigung und seine Zeit. Seitdem ich das für mich so getrennt habe, ist der Druck verschwunden. Ich kann mich über ein technisch unperfektes, aber emotionales Familienfoto genauso freuen wie über eine perfekt durchkomponierte Landschaft im ersten Morgenlicht. Und genau diese entspannte Haltung ist es, die am Ende den Familienfrieden sichert und dafür sorgt, dass die Fotografie das bleibt, was sie sein soll: die schönste Nebensache der Welt.

























































































































































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