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Einfach mal die alte Hood fotografieren? Challenge accepted!

  • Autorenbild: Christian Windeck
    Christian Windeck
  • 13. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Ich lebe seit 1999 ein rauschendes Big City Life. In Bonn, der mit weitem Abstand schönsten Stadt des Rheinlands. Geboren in der damaligen Hauptstadt, habe mich dann aber im Alter von exakt zwölf Monaten von meinen Eltern bequatschen lassen in das nahegelegene Morenhoven zu ziehen. Hier habe ich dann die nächsten sieben Jahre meines Lebens verbracht. Gewohnt haben wir „Im Auel" – und damit sozusagen mitten auf der Kö und heutigen Flaniermeile des Ortes.


Unsere Bleibe von 1980 bis 1987 - die Wohnung im Untergeschoss. Wo ist der Denkmalschutz, wenn man ihn einmal braucht?


Als mein ältester Freund Henning mich vor einigen Monaten aufforderte, mein fotografisches Talent nicht weiter in Bonn und der Eifel zu verschwenden, sondern den Ort zu bewandern, in dem ich ihn regelmäßig vernichtend beim Kart-Fahren schlug (obwohl er im Gegensatz zu mir mit edlem und luftgefedertem Material unterwegs war), erkannte ich, dass ich das tatsächlich machen musste: Meine alte Hood fotografieren, natürlich früh morgens, wenn sie noch schläft.


Es hat sich so einiges verändert, dazu später mehr. In der Durchfahrtsstraße auf dem Weg von Rheinbach nach Bonn ist die Zeit aber definitiv stehen geblieben. Zu meiner Freude. Hier beginnt also mein Fotowalk – noch im frühen Morgengrauen.



Dann ging es am Wahrzeichen Morenhovens, der Kirche St. Nikolaus (auf Google nur mit 4,1 bewertet), vorbei in besagten Auel. Neben unserer damaligen Hacienda gab es hier an diesem Morgen einige schöne Ansichten für mich, inklusive dankbarer Spiegelungen und jeder Menge Déjà-vus.





Wenig später ging mir auf: Morenhoven steht offenbar nicht nur für seine hohe Wohnqualität und einen fantastischen Schlag Mensch, der sich gemütstechnisch irgendwo zwischen Eifeler und Rheinländer einsortiert, sondern auch für erstklassigen Reitsport. Immer wenn ich früh morgens ein Pferd sehe, muss ich unweigerlich an Paul Schockemöhle denken.



Zurück aus der Peripherie bog ich schnurstracks auf die Landstraße ein, die nach Heimerzheim führt und sich luftig in den Morenhovener Ortskern schlängelt. Hier trifft Edelstahl auf Bangkirai, die Elemente verschwimmen.




Architektonisch überragend zeigt sich der Morenhovener Ortskern von seiner besten Seite. Dass die Feuerwehr zur Feier des Tages die ganz große Kapelle aufgefahren hatte; das spricht für sie.



Die Katze musste ich (bei der zweiten Durchquerung etwas später) einfach mitnehmen, noch dazu unter diesem alten Ford-Pickup liegend. Einer dieser Momente, bei denen ich – mit der Kamera auf dem Boden kauernd – ganz froh bin, dass es hierzulande nicht so wahnsinnig viele Frühaufsteher gibt.



Der Gasthof "Alt Morenhoven". Laut Henning gibt es hier die besten Schnitzel Nordrhein-Westfalens. Ich glaube es ihm, auch weil ich es nicht besser weiß. Er sollte mich einladen. Ich werde das bei Gelegenheit thematisieren.


Weiter ging es an den Hinterausgang der Morenhovener Burg. Ich mag solche Szenerien. Ein bisschen Trucker-Romantik und gleichzeitig ein fotografisches Zeitzeugnis des Zerfalls, bevor es irgendwann abgerissen wird. Vielleicht.


Das kulturelle Zentrum Morenhovens befindet sich zweifelsohne genau hier. Die Krea. Feine Streetart, die sich vor den Werken der Künstler vom Brüser Berg in Bonn wahrlich nicht zu verstecken braucht.

Der Fußballplatz des SV Swisttal, auf dem ich meine letztlich unvollendete Karriere – ich wurde zu Recht schon in jungen Jahren mit dem legendären Franco Baresi verglichen – begann, wich nach meinem Wegzug einem schnöden Neubaugebiet. Das zu fotografieren kam für mich nicht infrage, weshalb ich einen Abstecher auf einen nahegelegenen Feldweg unternahm und mein 20-Euro-Super-Albinar-135mm-2.8-Objektiv in all seiner Verträumtheit mal so richtig kennenlernen durfte.



Zum Abschluss meines Fotowalks ging es an die Morenhovener Schleife. Wer sie nicht kennt – sie ist so etwas wie der Trafalgar Square Swisttals. Hier haben sie nach meinem Wegzug einen Spiel- und Bolzplatz errichtet. Schick, aber für mich zu spät. Was hätte ich Henning hier ausgedribbelt. Einen Tunnel nach dem anderen.

Morenhoven liegt jetzt knapp 40 Jahre hinter mir, aber wenn man seine alte Heimat noch einmal erlebt – und zwar etwas intensiver durch den Sucher seiner Kamera – dann wird einem ziemlich warm ums Herz. Ich hatte schon eine coole Kindheit – da beißt die Maus keinen Faden ab.


Kamera: Nikon Zf Objektive: Nikkor 20mm 3.5 Ai-S, Nikkor 50mm 1.8 Ai-S Series E, Super Albinar 135mm 2.8

 
 
 

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