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Mein neuer Lieblingsfilm? Der SantaColor 100 überrascht mich positiv

  • Autorenbild: Christian Windeck
    Christian Windeck
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Dass ausgerechnet ich einen Beitrag über Filmfotografie schreibe, hat eine gewisse Ironie. Nach gerade einmal 15 entwickelten Rollen – alle im letzten Jahr – bin ich noch meilenweit davon entfernt, ein Experte zu sein. Und doch, oder vielleicht gerade deswegen, fasziniert mich der Prozess so ungemein. Vom Einlegen des Films über das manuelle Fokussieren bis hin zum Scannen der Negative zu Hause: Es ist eine wunderbare Entschleunigung.

Doch eine Frage treibt mich um, seit ich den analogen (zusätzlich zum digitalen) Weg eingeschlagen habe: Was ist denn nun mein Favourite Film-Stock?


Von Portra 400 ernüchtert – weil ich es nicht besser wusste


Jahrelang, als ich ausschließlich digital fotografiert habe, war die Antwort auf die „Filmfrage“ für mich glasklar: Kodak Portra 400. Sehr viel von dem, was ich online sah, schien diesen legendären Look zu atmen. Die Recipes für meine Fuji, die Bilder der großen YouTube- und Instagram-Influencer – alles schrie nach den knackigen, warmen Tönen des Portra. Ich war geflasht.

Dann habe ich selbst zwei Rollen fotografiert, unter anderem an denselben Orten und unter ähnlichen Bedingungen in den Dolomiten, die ich von anderen kannte. Das Ergebnis war ernüchternd. Meine Bilder waren, um es nett zu sagen, ziemlich flach. Mir wurde klar: Die Portra-Bilder, die ich so bewundert hatte (und immer noch bewundere), waren das Ergebnis gekonnter Nachbearbeitung. Dagegen ist überhaupt nichts zu sagen, ich selbst bearbeite meine Filmfotos selbst auch. Aber meine Vorstellung vom "Out-of-Camera"-Look des Films war dadurch etwas verfälscht. Für meine Art der Landschaftsfotografie ist Portra es also (zumindest im Moment) nicht.



Der Weihnachtsmannfilm: SantaColor 100


Auf der Suche nach Alternativen fiel mir auf der Analogue Art Affair in Köln bei Optik Oldschool ein Film in die Hände, der aussah, als würde er sich selbst nicht allzu ernst nehmen: SantaColor 100. Das Verpackungs- und Rollendesign ist cool, der Name klingt nach einem Gimmick. Doch weit gefehlt.


Ich beschloss, dem finnischen Film eine Chance zu geben und lud ihn in meine Nikon F3. Petrus meinte es gut mit mir und schenkte mir zwei perfekte, aber völlig unterschiedliche Tage für diesen ISO-100-Film: erst eine dicke Schneedecke auf einem Feldweg bei Bonn, zwei Tage später strahlender Sonnenschein ein paar Kilometer weiter.


Statt vieler Worte lasse ich lieber Bilder sprechen. Im Video nehme ich euch mit auf diesen kleinen Photowalk und zeige euch einige Einblicke in den Prozess und die Ergebnisse. Die Fotos selbst findet Ihr weiter unten in der Galerie.




Was ist SantaColor 100 eigentlich? Die Spionage-Vergangenheit meines Films


Ich bin bei so etwas immer ziemlich neugierig. Was steckt hinter diesem Film? Die Antwort ist ziemlich spannend: SantaColor 100 ist umgespulter Kodak Aerocolor IV, ein Film, der ursprünglich für die Luft- und Militärüberwachung entwickelt wurde und bis heute eingesetzt wird.

Während wir uns über digitale Sensoren streiten, werden in Aufklärungsflugzeugen oder zur wissenschaftlichen Gletscherbeobachtung immer noch Präzisionskameras mit diesem analogen Film bestückt. Der Grund? Oft ist die Umrüstung auf digitale Systeme zu teuer, oder man benötigt für Langzeitstudien exakt dieselbe Filmemulsion wie vor 30 Jahren. SantaColor kauft diesen Film also als große Rollen und konfektioniert ihn für uns Kleinbild-Fotografen. Coole Story – finde ich..





Der Charakter des Films: Was Du erwarten kannst


Nach meiner ersten Rolle mit dem SantaColor 100 habe ich ein paar Dinge gelernt:

  • Satte, aber nicht unnatürliche Farben: Besonders das Blau des Himmels hat mir unglaublich gut gefallen.

  • Rot knallt richtig: Man muss wissen, dass Rottöne, aber auch Orange- und Brauntöne, sehr dominant und gesättigt wiedergegeben werden. Ein Foto von braunem Laub am Boden wurde auf dem Film zu einem knackigen Orange – und das fast ohne Bearbeitung. Für Porträts vermutlich etwas gewöhnungsbedürftig, für meine Motive fand ich es großartig.

  • Ein Film für gutes Licht: Als ISO-100-Film liebt er die Sonne. Ich habe ihn im Schnee testweise auf ISO 50 belichtet, was super funktionierte. Er ist definitiv ein Kandidat für meine Kameratasche im nächsten Sommer.

  • Der "Heimvorteil": Mein größtes Learning war aber, den Film hier, vor der eigenen Haustür, zu testen. Die ganzen Beispielbilder aus L.A. oder San Francisco sind toll, aber sie schaffen oft eine falsche Erwartungshaltung für das Fotografieren im Harz oder in der Voreifel. Dieser Film funktioniert auch auf einem Feldweg in der Voreifel. Und das ist für mich die wichtigste Erkenntnis.





Und? Ist der Santa "der Film" für mich?


Der SantaColor 100 hat mich total überrascht. Er hat Charakter, er hat eine interessante Geschichte und er liefert Ergebnisse, die mir auf Anhieb gefallen haben. Er ist kein Alleskönner, aber für die Landschaftsfotografie bei sonnigem Wetter für den Moment auf jeden Fall meine erste Wahl. Aber: Der Kodak Ektar 100 rollt an. Ich habe meine ersten fünf Rollen bestellt und "High Expectations".



Kamera- und Filminfos:


Kamera: Nikon F3 HP

Objektive: Nikkor 30mm f/2 A-iS und Nikkor 105mm f/2.5 A-iS

Belichtet auf: ISO 50 (im Schnee), sonst auf Boxspeed (ISO 100)

Entwicklung und Scan: Optik Oldschool Lab, Düsseldorf auf Frontier Scanner.



Galerie: SantaColor 100






 
 
 

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