Alte Nikon Ai-S-Objektive in einer ziemlich tristen Landschaft testen?
- Christian Windeck
- 27. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Für epische Landschaftsfotos braucht man eine epische Landschaft. Man muss in die Alpen fahren, an die stürmische Nordseeküste oder zumindest einen dieser malerischen Sonnenaufgänge am See mitnehmen. Ich sage: Grundsätzlich macht das natürlich Sinn, manchmal beginnen die spannenden Landscape-Projekte aber auch direkt direkt vor der eigenen Haustür. Auf einem extrem langweiligen Feldweg in der Voreifel, zum Beispiel.
Genau dorthin habe ich euch auf Youtube neulich mitgenommen. Mein Plan war simpel: Ich wollte meine Sammlung alter Nikon Ai-S Objektive aus den 80er und 90er Jahren an meiner modernen Nikon Zf ausführen. Diese manuellen Schätzchen, die ich sonst an meiner analogen Nikon F3 liebe, machen dank eines simplen Adapters auch an der digitalen Kamera eine überraschend gute Figur. Keine Hightech-Features, kein Autofokus. Nur pures, entschleunigtes Fotografieren.
Den ganzen Spaziergang, meine ungefilterten Gedanken und natürlich die Ergebnisse mit allen Objektiven seht ihr direkt hier im Video. Quasi eine kleine Ode an das Schöne im Banalen.
Der Charakter alter Linsen: Von Pferdeäpfeln und Plastik-Perlen
Eines der ersten "Motive", das mir ins Auge stach, war... nun ja, ein Pferdeapfelhaufen. Klingt nicht sonderlich fotogen, oder? Aber genau das ist der Punkt. Mit dem legendären Nikon 105mm f/2.5 A-iS drauf, wurde aus diesem opulenten Haufen plötzlich eine abstrakte Skulptur im weichen Licht. Es geht darum, Sehgewohnheiten zu durchbrechen und eine Geschichte zu finden, wo keine zu sein scheint.

Es war an diesem Tag aber beileibe nicht alles "Mist"...



Der wahre Held des Tages war für mich jedoch eine Linse, die von vielen Kritikern belächelt wird: das Nikon 50mm f/1.8 der E-Serie. Es ist klein, es ist leicht, es ist aus Plastik. Eine Budget-Linse von damals, die heute kaum etwas kostet. Ich habe sie zum ersten Mal bewusst offenblendig bei f/1.8 eingesetzt und war absolut geflasht. Sie liefert genau diesen "Vintage-Look", dieses unperfekte, leicht "swirly" Bokeh und eine Vignette, die Charakter hat. Es ist der Beweis, dass ein Bild keine klinische Perfektion braucht, um eine Seele zu haben.




Mehr als nur ein Test: Der Prozess ist das Ziel
Natürlich hatte ich noch andere Objektive dabei – mein geliebtes 35mm f/2, ein überraschend gutes 35-70mm Zoom und das etwas schwergängige 55mm Micro-Nikkor. Jedes hat seine Eigenheiten und zwingt mich, anders zu denken und zu sehen.
Am Ende des Tages geht es nicht darum, das "beste" Vintage-Objektiv zu finden. Es geht um die Freude am Prozess. Darum, mit der Ausrüstung, die man bereits besitzt, kreativ zu werden und sich auf das Fotografieren selbst zu konzentrieren. Wenn man aufhört, nach dem perfekten Motiv zu jagen, findet man die Schönheit oft in einer Pfütze, einer Reifenspur im Schlamm oder eben in der rustikalen Ästhetik der Voreifel.
Wenn du also das nächste Mal denkst, du bräuchtest neue Ausrüstung oder eine spektakuläre Location, schnapp dir einfach deine Kamera, das älteste Objektiv, das du finden kannst, und geh raus. Der nächste langweilige Feldweg wartet schon auf dich.













































































































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